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Rivista Antonianum
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Foto Volgger David , Recensione: JOSEPH S. PARK, Conceptions of Afterlife in Jewish Inscriptions. With Special Reference to Pauline Literature , in Antonianum, 77/2 (2002) p. 360-362 .

Die Untersuchung von J.S. Park geht auf seine Dissertation an der Cambridge University im Jahr 1997 zurück. Der Supervisor der Dissertation war Prof. W. Horbury, der sich bereits als Fachmann antiker jüdischer Inschriften ausgewiesen hat. Unter dieser fachkundigen Führung hat Park eine beachtenswerte Textanalyse jüdischer Inschriften aus dem Zeitraum 200 v. bis 400 n. erstellt.

Der Autor, der Neues Testament unterrichtet, hat seine Textanalyse im Hinblick auf die paulinische Briefliteratur erstellt. Im letzten, siebten Kapitel vergleicht d. A. das Konzept `Leben nach dem Tod´, das er an Hand der jüdischen Inschriften erschlossen hat, mit der paulinischen Literatur. Das Hauptgewicht der Untersuchung liegt freilich auf der Analyse der antiken jüdischen Inschriften. Im ersten Kapitel faßt d. A. die  Forschungsgeschichte zusammen. A. Schweitzer und E. Goodenough sind zwei Markensteine in der betreffenden Forschung. Sie dienen auch zur zeitlichen Einteilung der Forschungsgeschichte. Der A. sucht dabei aus den Verkürzungen der Forschungsergebnisse zu lernen: Weder die strikte Trennung von palästinischen und hellenistischen Judaismus, von lebendigem Judaismus mit gesetzlichen und apokalyptischen Elementen und erstarrtem legalistischem Rabbinismus nach 70 n. (Schweitzer), noch die Abwertung der rabbinischen Literatur zugunsten eines sogenannten hellenistischen mystischen Judaismus (Goodenough) soll die Analyse der Inschriften leiten (S. 11). Am Ende der Untersuchung unterstreicht d. A., daß diese Einteilungskriterien bei den untersuchten Inschriften keine Aussagekraft besitzen (S. 204).

In den Kapiteln 2 bis 6 versucht d. A. einzelne Aussagen aus dem Inschriftenmaterial zu ordnen. Als Einteilungskriterium dient zunächst die Unterscheidung, daß das Leben nach dem Tod nach unten bzw. nach oben weist (Kapitel 2: downward conception of afterlife; Kapitel 5: upward afterlife). Zudem unterscheidet d. A. zwischen einer Einstellung gegenüber dem Tod, die ein Leben nach dem Tod zu leugnen scheint (Kapitel 3) bzw. die ein Leben nach dem Tod bestätigt (Kapitel 5 und 6). Für viele Aussagen aus den Inschriften trifft weder die eine noch die andere Einstellung zu (Kapitel 4). Zusätzlich ist noch zu beachten, daß sich beide Kriterien überschneiden können. Diese Beobachtung gibt schließlich den Weg frei für die konkrete Textanalyse, die sich einzelnen Phrasen der Inschriften widmet: Kapitel 2: `Dis Manibus´, `das ewige Haus´, `das Haus des Friedens´, `hier liegt begraben´, Warnungen gegen Verletzung des Grabes; Kapitel 3: `sei stark, niemand ist unsterblich´, Ausdrücke von Resignation, Zynismus, Kummer und Trauer angesichts des (jähen, frühen) Todes; Kapitel 4: Friede, `in Frieden sei sein/ihr Schlaf´, `mit den Heiligen/Gerechten sei sein Schlaf´; Kapitel 5: `möge dein Los gut sein´, die Vorstellung vom Erinnern, `Segenswunsch´, die Vorstellung vom Gericht und ewigem Leben; Kapitel 6: `möge seine Seele eingebunden sein in dem Beutel des Lebens´, die Seele auf dem Weg nach oben, Unsterblichkeit, astrale Vorstellungen und Bilder im Kontext des Lebens nach dem Tod, Hinweise auf eine Auferstehung nach dem Tod.

Die Inschriften werden im Hinblick auf diese Phrasen miteinander verglichen. Diese textnahe Arbeit gehört zu den Stärken dieser Untersuchung. Zudem geht d. A. jeweils von den analysierten Textelementen aus, wenn er bestimmen will, ob und wie diese mit einer Vorstellung vom Leben nach dem Tod verbunden sind. Voreilige Schlüsse auf eine Einheitsvorstellung von der Existenz nach dem Tod werden dadurch verhindert. Die Inschriften bieten ein vielfältiges Bild zu den Vorstellungen einer Existenz nach dem Tod. Des öfteren unterstreicht d. A. die Kombinierbarkeit der einzelnen Bau-Elemente der Vorstellungen für die postmortale Phase. Von daher interessiert natürlich die vorsichtige Aussage: `... it is difficult to avoid the conclusion that roughly between 200 B.C. and A.D. 400, a significant number of people who considered themselves to be Jews either denied, or held to a minimal conception of, afterlife.“ (S. 202). Daß manche Inschriften eine minimale Vorstellung des Lebens nach dem Tod aufweisen, bereitet kaum Schwierigkeiten. Die Inschriften sind meist sehr kurz. Die inhaltlichen Akzente der Kommunikation, die beim Lesen einer Inschrift entsteht, können sehr unterschiedlich sein. Ob aber aus einigen Inschriften ablesbar sei, daß manche Juden zwischen 200v. und 400n. jede Vorstellung eines Lebens nach dem Tod geleugnet hätten, muß wohl fraglich bleiben. Der Schluß vom Inhalt einer Inschrift auf die Vorstellungen der Personen, die für diese Inschrift verantwortlich zeichnen, kann vielschichtig sein. Zunächst muß noch einmal betont werden, daß viele sprachlichen Bau-Elemente einer Grabinschrift miteinander kombinierbar waren. Die Leugnung eines Lebens nach dem Tod wäre freilich nicht mehr kombinierbar mit einer Vorstellung von einem Leben nach dem Tod. Auf keiner Inschrift findet sich aber eine explizite Leugnung eines Lebens nach dem Tod. Die Aussage `sei stark, niemand ist unsterblich´ oder ein Text, der angesichts des Todes eines Menschen der bedrückenden Trauer Ausdruck verleiht, sind wohl nicht sogleich als Leugnung der Vorstellung eines Lebens nach dem Tod zu verstehen. Die Kommunikation am Grab eines verstorbenen Menschen ist unterschiedlich. Die Bilder für das, was den Menschen nach dem Tod erwartet, decken wohl die Fülle der Bilder des Menschen ab, der am Grab des Verstorbenen steht und getrennt von diesem lebt.

Das Verdienst der vorliegenden Arbeit besteht nicht zuletzt darin, den kulturell vielfältigen Umgang mit dem Tod anhand von antiken jüdischen (Grab-) Inschriften aufgezeigt zu haben. Alle Inschriften bezeugen auf diese oder jene Weise eine Kommunikation am Grab eines Verstorbenen


 
 
 
 
 
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