Inizio > Rivista Antonianum > Articoli > Lehmann Giovedì 04 giugno 2020
 

Rivista Antonianum
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Foto Lehmann Leonhard , Recensione: Von Fulda nach Hokkaido. 100 Jahre Japan-Mission der Thüringischen Franziskanerprovinz (1907-2007), in Antonianum, 84/2 (2009) p. 397-400 .

Es war zweifellos eine gute Idee, das 100-Jahr-Jubilaum zum Anlass zu nehmen, auf die Ereignisse zuruckzublicken, welche das Verhaltnis der Thuringischen Franziskaner zum fernen Japan pragten. 1907 landeten dort P. Maurice Bertin aus der Pariser Provinz und P. Wenzeslaus Kinold aus der Thuringia.

Zu ihnen stiesen im Juni zwei weitere Bruder aus Kanada: eine international Gruppe also, die unter sich eine gemeinsame Sprache finden und obendrein noch die ganz fremde Sprache der Japaner lernen musste. 1908 errichteten sie in der kleinen Stadt Sapporo das erste Franziskanerkloster Japans. Im Jahr 1911 wurde ganz Hokkaido als Missionsgebiet der Thuringia anvertraut, die noch heute in Fulda ihr Hauptquartier hat. Von daher rechtfertigt sich der Titel dieses klug angelegten und reichlich illustrierten Buches.

Der weite Horizont zeigt sich schon darin, dass Vorwort und Zusammenfassungen jeden Artikels auch auf Japanisch und Englisch geboten werden.

In seinem Vorwort stellt der Provinzialminister der Thuringia, Hadrian W. Koch, die Abreise junger Bruder in die Zeit des Wiederaufschwungs des Ordenslebens am Anfang des 20. Jahrhunderts, als man selbstbewusst auszog, um “Seelen zu retten. Die Anzahl der Taufen, von denen ein Missionar in der Heimat berichten konnte, waren ein messbares Indiz fur den Erfolg oder Misserfolg der Mission” (9). Er bringt sie aber auch mit dem Heute in Beziehung, da Religion in der Politik wieder eine nicht zu ubersehende Rolle spielt. „Umso wichtiger ist es, dass aus dem zu befurchtenden ‘Clash of Civilizations’ die Begegnung der Kulturen und Religionen wird“ (11. Dass ein japanischer Franziskaner den Historischen Ruckblick eroffnet, spricht schon fur sich: Es ist Prof. Andreas Tsutomu Fukuda, der die Kleine Geschichte der Franziskanermission in Japan (29-41) schreibt. Dabei beginnt er weit vor der im Buch anvisierten Zeit, namlich 1549 bei Franz Xaver.

Die bluhende Mission der Jesuiten wurde 1597, als 26 Christen in Nagasaki den Martertod starben, jah unterbrochen. Doch im 19. Jh. lebte das Christentum wieder auf. Franzosische Franziskanerinnen Missionarinnen Mariens wirkten auf der Insel Hokkaido, und Franziskaner folgten ihnen als geistliche Betreuer; sie kamen aus mehreren Landern und verteilten sich mit der Zeit auf ganz Japan. Einheimischer Nachwuchs wurde zunachst in die Provinz des jeweiligen Missionars aufgenommen, bis man eine japanische Foderation errichtete und die gemeinsame Ausbildung in Tokio organisierte.

Von da war der Schritt zu einer eigenstandigen Provinz nicht weit. Deren erster Provinzial wurde 1977 schon ein Einheimischer: P. Franziskus Sato Keiichi, der 1985 zum Bischof von Niigata geweiht wurde.

Was der Japaner in groben Zugen beschrieben hat, wird dann in Einzelheiten vom Archiv in Fulda aus beleuchtet von Paulus Hagele, Von den Anfängen 1907 bis zum Eintritt in die Japanische Provinz 1985. Aus den Chroniken der Thüringischen Japan-Mission (43-110). Er spricht vom „Charme des Anfangs“ trotz der ganz fremden Kultur und der rauen Natur, wovon anschaulich auch die Fotos kunden. Das Zusammenleben der 16 Missionare aus sechs verschiedenen Provinzen gestaltete sich mit der Zeit schwierig, so dass der Missionsobere den aus der Thuringia stammenden Generalminister P. Dionysius Schuler bat, die Mission seiner Heimatprovinz zu ubertragen. Dies geschah 1911. Die Mutterprovinz engagierte sich stark fur die ferne Mission, Franziskanerinnen aus Thuine organisierten in Sapporo eine Madchenschule, P. Wenzeslaus Kinold wurde 1915 Apostolischer Prafekt und 1929-1940 Apostolischer Vikar von Sapporo. Es war die Kronung der „Goldenen Zwanziger Jahre (1918-1928)“ (59), nachdem der Erste Weltkrieg viele Schwierigkeiten gebracht hatte. Nicht weniger schwierig wurde es wahrend des Zweiten Weltkrieges, vor allem nach dem 1. April 1940, als das neue Religionsgesetz die totale Kontrolle des Staates uber die Kirche und die Ausgrenzung der Auslander brachte. Dennoch ist der Aufbau von katholischen Gemeinden, eines Kleinen Seminars fur Priesternachwuchs und die Grundung des katholischen Wochenblattes „Komyo“ (Licht) gelungen. Im Marz 1953 wurde Sapporo Diozese mit 8000 Katholiken. P. Hagele beschreibt ausfuhrlich die Wachablosung der ersten Generation von Missionaren und den langen Weg zu einer gemeinsamen Japanischen Provinz; in diese Japonia genannte Provinz trat die Kustodie der Thuringia 1985 ein.

Die Zeit danach schildert dann Jahr fur Jahr Urban Saubier, Die Hokkaido- Mission nach 1985. Versuch einer Chronik (113-131). Hier stehen die Besuche der Provinziale aus Fulda im Vordergrund. Der ganzen Missionsgeschichte wendet sich dann wieder zu Emmanuel Durr, Porträts einiger herausragender Persönlichkeiten (133-153). Naturlich hatte jeder der Fuldaer Missionare, ob Maurer, Koch oder Priester und Lehrer, ein Portrat verdient.

Gewurdigt werden nur Bischof Wenzeslaus Kinold (1871-1952), Pater Eusebius Breitung (1884-1969), der Latein und Philosophie unterrichtete, den Verlag in Sapporo leitete und mehrere volksnahe Bucher publizierte; ferner P. Emmanuel Zentgraf (1892-1979), der 47 Jahre als Seelsorger in Japan wirkte; P. Gerhard Huber (1896-1978), der die Japan-Mission grundlich studierte, etliche Bucher auf Deutsch oder Japanisch verfasste und von 1949 bis 1959 an der Universitat von Otaru lehrte; P. Titus Ziegler (1899-1959) ubersetzte liturgische Bucher mit solchem Erfolg, dass er „der Schott des katholischen Japan“ (146) genannt wird; und schlieslich der durch seine Autobiographie bekannte P. Gereon Goldmann (1916-2003), der „Lumpensammler von Tokyo“, der in den letzten Jahren seines Lebens das Institut fur Kirchenmusik St. Gregorius gegrundet hat. Wie er 1944 am Monte Cassino in Italien in Gefangenschaft geriet, beschreibt er lebhaft in Tödliche Schatten – Tröstendes Licht (St. Ottilien 2004), ein Buch das nun auch auf Italienisch vorliegt: Missione SS. Un frate tra i nazisti. Lo straccivendolo di Tokio, Edizioni San Paolo, Cinisello Balsamo 2008.

Die zweite Halfte des Buches enthalt personliche Zeugnisse, zunachst Von Brüdern in Hokkaido (155-173), zusammengestellt von Sigfrid Klockner.

Die schnellen Veranderungen in Heimat und Mission sind hier auch auserlich sichtbar, indem kaum noch ein Franziskaner als solcher zu erkennen ist. Ein Blick von ausen auf die Mission wirft ein Steyler Missionar, der jahrelang in Japan wirkte: Eugen Rucker SVD, Die Lage der katholischen Kirche in Japan nach 100 Jahren missionarischen Wirkens (177-193). Einem Ausblick dienen die Erorterungen eines Franziskaners, der als Provinzial die Missionare besucht hat: Sigfrid Klockner, Gedanken eines “Außenstehenden” (197-204), ferner das Interview mit Prof. Andreas Tsutomu Fukuda,

Die Wandlung des Missionsverständnisses (207-221). Nachdenklich stimmt Helmut Schlegel, Hundert Jahre – und was jetzt? (223-234), der von seiner Fuldaer Provinz sagen kann, dass „sie in der neueren Geschichte ganz erheblich von der missio ad gentes gepragt worden ist“ (229), aber doch „Desiderate in alle Richtungen“ (233) anmeldet, denn insgesamt gesehen ist statistisch der Erfolg der Missionare in Japan gering. Wie aber dennoch die Mission sich auf die Kultur auswirkt, zeigt eindrucklich die Japanerin Veronika Chikako Hashimoto, Das St. Gregorius-Institut für Kirchenmusik (239-245); hier betreute P. Gereon Goldmann einige hundert Studenten in Kursen von drei oder funf Jahren. „In mehr als hundert Pfarreien sind sie nun fur die Kirchenmusik tatig“, schrieb der eifrige Sohn eines Tierarztes noch Anfang Juli 2003, kurz vor seinem Tod am 26. Juli (148). Sein Chor war auch in Deutschland auf Tournee.

Ein Glossar (271-273) hilft auch Ausenstehenden, fremde Begriffe zu verstehen. Die Liste von hundertneun Brudern in der Japan-Mission – der letzte ist 1976 ausgereist – wie auch die Auswahl-Bibliographie (281-285) und einige Dokumente im Anhang laden zum weiteren Studium ein. Hier zeigt sich ein schones Stuck Provinzgeschichte der Thuringia und ein erfreuliches Kapitel der Kirchengeschichte in Japan. –


 
 
 
 
 
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